Definitionen: Depressionen

Es gibt eine Reihe von Störungsbildern, von denen Burnout schwer abzugrenzen ist. Dazu gehören die sog. Anpassungsstörungen und die Depression. Bevor man dennoch einen solchen Abgrenzungsversuch unternimmt, sollte man sich klar machen, dass diagnostische Kategorien eigentlich nicht dazu da sind, Patienten in Schubladen zu sortieren, sondern die Diagnostik und Differentialdiagnostik zu erleichtern.

Was also ist der Unterschied von Depression und Burnout? Eine oft zitierte Faustregel besagt, dass Burnout „kontext-bezogen“ (meist arbeitsbezogen) ist, während Depression „kontext-frei“ und allumfassend ist, also alle Bereiche des Lebens durchdringt. Es wird auch gesagt, dass Depressive immer depressiv sind, während Ausbrenner(innen), jedenfalls in den früheren Stadien, auch noch teilweise unbeschwerte Phasen haben können.

Vereinfachend kann gelten:
  • Der Begriff Burnout signalisiert einen vermuteten, ursächlichen Zusammenhang mit einem übermässigen Energieverbrauch.
  • Depression beschreibt einen Zustand, ohne etwas über dessen Ursache auszusagen. 

Für die Patienten spielt diese Unterscheidung aber vorerst keine Rolle. Viel wichtiger ist es, dass diese sich darüber klar werden, ob sie sich in einem Zustand befinden, in dem sie eine Einschätzung der Lage von aussen und/oder Hilfe benötigen.

Wichtig ist es, eine Unterscheidung zwischen „Depression im klinischen Sinne“ einerseits und „Depression im Alltagssinn“ oder „Niedergeschlagenheit“ andererseits machen. Nicht einmal diese Unterscheidung ist trennscharf durchzuhalten. Menschen, die man für „deprimiert“ oder „depressiv“ erklärt (aber nicht für „Depressive“), sind gedrückter Stimmung, sie hängen herum und können sich zu nichts mehr aufraffen, ihr Selbstwertgefühl ist angegriffen, sie schämen sich oft ihrer selbst. Dieses Bündel von Symptomen (Syndrom) findet man auch bei Menschen mit der klinischen Diagnose „(Major) Depression“, die sich meist in Behandlung befinden — bei sog. „Depressiven“. Diese Menschen müssen aber, damit die Diagnose gestellt werden kann, weitere Symptome zeigen, wie Verlust von Freude und Interesse an Aktivitäten, Gewichtsveränderungen, Schuldgefühle, Schlafprobleme, etc.. Die Symptome müssen ausgeprägter sein und mindestens zwei Wochen ununterbrochen bestanden haben.

Man kann also der Einfachheit halber „depressive Symptomatik“ von „Depression“ unterscheiden.

Depressive Symptome sind ein zentraler Bestandteil des Burnout-Syndroms, jedenfalls nach den frühen Stadien. Hinzu kommen aber zusätzliche Symptome, z.B. der Verlust von Stolz auf eigene Leistungen, ein Widerwille gegen die eigene Arbeit oder Arbeitssituation und eine mehr oder weniger belastete Beziehung zum sozialen Umfeld (oder auch nur Teilen davon, z.B. den Menschen, mit denen man arbeitet).

Im fortgeschrittenen Zustand lassen sich Burnout und Depression kaum noch auseinanderhalten. Wahrscheinlich deswegen, weil Probleme in lediglich einem Lebensbereich im Laufe eines Burnout-Prozesses auf andere übergreifen. Konnte man im Frühstadium wenigstens zeitweise Abstand von der Lage gewinnen und Entspannung finden, wird später die ganze Welt grau oder sogar schwarz. Suizidgedanken häufen sich und werden zuweilen auch in die Tat umgesetzt.

Ein zweites Unterscheidungsmerkmal zwischen Depression und Burnout besteht darin, dass Menschen in einem Burnout-Prozess normalerweise kämpfen (jedenfalls der aktive Typ). Möglicherweise gegen Windmühlenflügel, sonst am falschen Ort, mit den falschen Mitteln, oder gegen sich selbst. Bevor sie sich schliesslich geschlagen geben, haben sie in der Regel bereits Kämpfe hinter sich gebracht. Das scheint bei Depressiven nicht der Fall zu sein. Diese können Kränkungen oder Verluste viel schwerer verwinden, z.B. den Tod eines Menschen, eine Entlassung oder eine Trennung.

Man könnte also - sehr stark vereinfacht - sagen : Ein Lottogewinn von 10 Millionen Dollar könnte einem Menschen normalerweise aus einem Burnout-Prozess heraushelfen — einem Depressiven (im klinischen Sinne) dagegen nicht.

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