Was ist Burnout?
Burnout (Synonym „Das Burnout-Syndrom“) ist bis heute ein schwer abgrenzbares und somit unscharf definiertes Phänomen, voraussichtlich wird das auch so bleiben. Burnout identifiziert sich mit keiner spezifischen Definition, fördert aber Versuche, zu allgemeinverbindlicheren Definitionen vorzudringen (s. Projekt ADBUSY).
Speziell in der Frühphase der Beschäftigung mit Burnout (ab Mitte der 70er Jahre) wurden zahlreiche Definitionen vorgeschlagen. Einige Beispiele (weitere in Burisch, 2006):
- „Burnout ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand ‘normaler’ Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung (distress), einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung disfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber lange unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht“ (Schaufeli & Enzmann, 1998).
- „...eine Erosion der Werte, der Würde, des Geistes und des Willens — eine Erosion der menschlichen Seele. Es ist ein Leiden, das sich schrittweise und ständig ausbreitet und Menschen in eine Abwärtsspirale zieht, aus der das Entkommen schwer ist“ (Maslach & Leiter, 1997; Übers.: MB).
- „Im symptomatischen Zentrum steht eine prozesshaft sich steigernde Unfähigkeit, negative Emotionen wie Unlust, Angst, Enttäuschung, Scham oder Ärger erfolgreich zu regulieren, ohne sich dabei auch von positiven Emotionen wie Freude, Stolz und Dankbarkeit abzukoppeln. Verhaltensmäßige Symptome wie „Dehumanisierung“ sind dabei als Versuche zu verstehen, negative Emotionen erst gar nicht aufkommen zu lassen bzw. in ihrer Wirkung zu minimieren."
"Ursächlich sind subjektiv als "Fallen" empfundene Situationen von Hilflosigkeit, in denen man entweder mit noch so viel Anstrengung nicht bekommt, was man anstrebt, oder nicht vermeiden oder beenden kann, was man gerade nicht anstrebt“ (Matthias Burisch).
Möglicherweise ist die umfassende Erschöpfung, die als Kernsymptom gilt, eine biologisch fundierte „Not-Abschalt-Reaktion“, die den Organismus davor bewahren soll, die letzte Energie an aussichtslosen Stellen zu verschwenden.
Ist das „Burnout“, was mit mir vorgeht?
Wenn Sie das Gefühl haben, in einer Situation festgefahren zu sein, aus der Sie keinen Ausweg finden, dann sollten Sie erst in Ihrem Umfeld nach geeigneten Gesprächspartnern suchen. Wenn das nicht geht oder nicht gelingt, suchen Sie nach Professionellen (> Wie finde ich Therapeuten?). Es wird dort nicht in erster Linie darum gehen, Sie in eine „Schublade“ wie Burnout einzuordnen — auch Sie sollten vorsichtig mit der Selbstdiagnose sein. Vielmehr sollte das Ziel sein, Ihr(e) Problem(e) zu klären. Erst dann kann man nach Lösungen suchen.
Übrigens: Es ist wichtig, medizinisch abzuklären, ob eine organische (körperliche) Ursache — wie Diabetes (Zuckerkrankheit), Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion, eine organisch bedingte Schlafstörung — auszuschließen ist ! Wenn nicht, sollte zuerst an dieser Stelle angesetzt werden.
Literatur
- Burisch, M. (2006). Das Burnout-Syndrom. Berlin: Springer (3. Aufl.)
- Maslach, C. & Leiter, M.P. (1997).The Truth about Burnout. San Francisco: Jossey-Bass. (dt.: Die Wahrheit über Burnout. Berlin: Springer 2001).
- Schaufeli, W. & Enzmann, D. (1998). The Burnout Companion to Study and Practice. London: Taylor & Francis.


