Medizinische Aspekte

Diese Informationen können aus zwei Gründen für Sie von Bedeutung sein: (A) Sie können das Gefühl haben, in einem Burnout-Prozess zu stecken; in Wirklichkeit steckt aber ein körperliches Problem dahinter. (B) Sie gehen zu Ihrem Arzt, das Grundproblem ist aber Burnout.

A:

Bevor Sie zu einem Psychologen, Psychotherapeuten oder Berater gehen, sollten Sie Ihren Arzt konsultieren. Es gibt eine Vielzahl von organischen Ursachen — am häufigsten sind vermutlich Diabetes (Zucker) und Schilddrüsenunter- oder -überfunktion — die zu körperlicher Erschöpfung führen. Normalerweise sind diese relativ einfach zu diagnostizieren bzw. auszuschliessen. Also: Lassen Sie sich erst mal gründlich durchchecken. Vor allem dann, wenn Sie keine blasse Ahnung haben und Sie sich permanent so schlapp (und/oder so ruhelos) fühlen.

Es kann übrigens durchaus sein, dass Sie sich aufgrund von Diabetes, Schilddrüsenproblemen oder aus anderen körperlichen Gründen in einem Burnout-Prozess befinden. Wie das? Stellen Sie sich vor, Sie fühlen sich (aus einem dieser Gründe) chronisch erschöpft und müde. Dann werden Sie einen Widerstand gegen jede Art von Tätigkeit entwickeln, auch und vor allem gegen die, von der Sie leben. Wenn Ihr innerer Konflikt lautet „Ich will da nicht mehr hingehen“ und „Ich muss da aber hin, um zu überleben“, dann kann das reichen, einen Burnout-Prozess in Gang zu setzen.

Glücklicherweise kann Ihnen dann Ihr Arzt mit Medikamenten helfen. In diesem Fall: Glückwunsch!

B:

Vor allem da, wo das Wort Burnout noch unbekannt ist, oder da, wo es gefährlich klingt, gibt es Patienten, die (mit unspezifischen Symptomen) von Ärztin zu Arzt wandern, dabei dicke Krankenakten ansammeln, sich einer Vielzahl von Therapien unterziehen, und schliesslich unter „austherapiert“, „rätselhaft“ oder „weiter beobachten“ verbucht werden. Selbst Allgemeinpraktiker — Ärztinnen und Ärzte an der Front mit wenig Zeit für einzelne Patienten — sind heute weitaus aufgeklärter als wenige Jahre zuvor. Dennoch sind „B“-Fälle wahrscheinlich immer noch weit häufiger.

Für Allgemeinpraktiker(innen), aber auch für Ärzte aller Art, ist die Versuchung groß, erst einmal ein Medikament zu verschreiben. Warum? Das „grosse ärztliche Gespräch“, das Hintergründe aufhellen könnte, kostet Zeit, die im normalen Alltag einer medizinischen Praxis schwer aufzubringen ist. Und: Patient(inn)en — also vielleicht — sind oft nur allzu leicht bereit, irgend eine neue Pille zu schlucken, statt sich unbequemen Fragen auszusetzen.

Also: Wenn Ihr Arzt (mal wieder) nichts bei Ihnen findet (und vor allem dann, wenn das das Deckblatt auf einer dicken Krankenakte bildet) — tja, dann sollten Sie mal darüber nachdenken, ob Sie einen Psychologen, psychologischen Berater oder Psychiater (die sind nicht nur für die „Verrückten“ da) kontaktieren sollten.

Nach Erfahrung unserer Experten trauen sich die „wirklich schweren Fälle“ erst dann an die richtige Adresse, wenn (a) Partner/in mit Trennung droht, oder/und (b) die Ärzte aufgegeben haben.

Wollen Sie ein „schwerer Fall werden“?